
Kein Poster und kein Video ersetzt den Moment, in dem jemand mit Fachkenntnissen neben einem Mitarbeitenden steht, seinen Bildschirm justiert und sagt: „So. Spüren Sie den Unterschied?“ Ergonomie-Beratung am Arbeitsplatz ist eine sehr direkte Form von Prävention – und eine oft unterschätzte.
Was passiert, wenn ein Experte vor Ort ist?
Ein ausgebildeter Ergonome sieht in zehn Minuten Dinge, die dem Mitarbeitenden selbst nach Jahren nicht aufgefallen sind: der Stuhl zu niedrig, der Bildschirm zu weit rechts, die Maus auf der falschen Höhe. Diese individuellen Korrekturen wirken sofort – und halten, weil sie auf den tatsächlichen Körper und Arbeitsplatz abgestimmt sind, nicht auf einen Durchschnittsmenschen in einem Anleitungsvideo.
Wie skalieren Sie die Beratung sinnvoll?
Ein Ergonom schafft an einem Betriebstag nur eine begrenzte Zahl individueller Arbeitsplatz-Beratungen. Das klingt nach wenig, ist aber für die Betroffenen oft ein dauerhafter Wendepunkt. Wer die Beratung mit einem einfachen Nachfolgeformular kombiniert – „Was habe ich geändert, was hat es gebracht?“ –, schafft Verbindlichkeit und gewinnt intern wertvolles Feedback für zukünftige BGF-Maßnahmen. Solche Maßnahmen ergänzen die Gefährdungsbeurteilung, die das Arbeitsschutzgesetz jedem Arbeitgeber vorschreibt – was dazugehört, fassen die Arbeitsschutz-Grundlagen zusammen.
So setzen Sie es um
- 1Beauftragen Sie eine:n qualifizierte:n Ergonomie-Berater:in und fragen Sie vorab bei der Berufsgenossenschaft nach möglicher Unterstützung.
- 2Erstellen Sie eine Liste aller zu begehenden Arbeitsplätze und planen Sie pro Platz rund 20–30 Minuten ein.
- 3Sammeln Sie vorhandene Beschwerden (z. B. Rücken, Nacken, Augen) anonym ein, damit die Begehung gezielt ansetzen kann.
- 4Stimmen Sie mit den Teams einen Zeitplan ab, der den laufenden Betrieb möglichst wenig stört.
- 5Informieren Sie alle Mitarbeitenden per Einladung über Ablauf, Ziel und den individuellen Zeitslot.
- 6Erklären Sie, dass es um individuelle Verbesserung geht und nicht um eine Kontrolle der Arbeitsweise.
- 7Bitten Sie die Teilnehmenden, während des Termins am Platz zu sein und typische Tätigkeiten zu zeigen.
- 8Begleiten Sie die Begehung organisatorisch und halten Sie die Empfehlungen je Arbeitsplatz schriftlich fest.
- 9Sortieren Sie die Maßnahmen nach Sofort-Umsetzung (Stuhl-/Tischeinstellung) und Beschaffung (z. B. Monitorarm, Fußstütze).
- 10Setzen Sie die einfachen Anpassungen direkt um und stoßen Sie Bestellungen für Hilfsmittel an.
- 11Prüfen Sie, ob alle empfohlenen Anpassungen umgesetzt und die Hilfsmittel geliefert wurden.
- 12Fragen Sie bei den Mitarbeitenden nach, ob Beschwerden nachgelassen haben und die Anpassungen passen.
- 13Dokumentieren Sie die Ergebnisse für die Gefährdungsbeurteilung und planen Sie eine Wiederholung für neue Arbeitsplätze.
Was Sie brauchen
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- halber Tag
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